Freitag, November 17, 2006

Event Horizon - Am Rande des Universums


Mit "Event Horizon" ist dem sonst eher mittelmäßig begabten Paul Anderson (Mortal Kombat, Resident Evil, AvP) einer wahres Kunststück gelungen. Ende der 90er ging ich damals völlig ohne Vorahnung in diesen vermeintlichen SciFi-Film, um mich von der Weltraumstmosphäre berieseln zu lassen... es sollte einer der längsten Kinobesuche meine Lebens werden. Der Film bietet gut 90 Minuten lang fast konstanten Terror im Weltraum. Die Schockmomente sind gesalzen und zahlreich, die visuellen Darbietungen des Raumschiffs, des Weltalls und der Horrorsequenzen auf sehr hohem Niveau. Ständig werden optische Meisterleistungen geboten, die das Auge und den geneigten Zuschauer kaum zur Ruhe kommen lassen.

Hinsichtlich der Optik gibt es mache Parallelen zu Ridley Scott's Alien, was Anderson wohl als großes Vorbild gedient hat, ohne natürlich jemals die Qualtität des Originals erreichen zu können. Dafür ist Event Horizon zu einfach gestrickt und zu sehr auf die visuellen Elemente und den schnellen Kick fokussiert.

Dennoch, in meinen Augen ein hervorragender und äußerst furchteinflößender Film, den man nach gut 90 Minuten auch fast zehn Jahre später auf der heimischen Couch immer noch mit schweissnassen Händen erleichtert, aber zufrieden, ausmacht. 8/10

Mittwoch, November 15, 2006

Full Contact (Cover Hard)


Ringo Lam hatte es früher mal richtig drauf... "Full Contact", der den meisten eher unter dem Titel "Cover Hard" ein Begriff sein dürfte, ist ein kompromissloser und äußerst harter Vertreter des 90er Jahre Hong Kong-Actionkinos.
Chow Yun-Fat, damals noch jung und dünn, mimt den extrem coolen "Jeff" (wie sollte er auch sonst heissen), der seinen in Geldnöten steckenden Cousin Sam (Anthony Wong) durch einen Überfall auf einen Transporter zusammen mit einer zwielichtigen Gang helfen will. Der Coup geht gehörig daneben und zudem stellt sich Sam auf Druck der anderen gegen ihn. Jeff überlebt schwerverletzt und beginnt einen gnadenlosen Rachefeldzug...

Die Aufnahmen sind grandios, insbesondere die nächtlichen Motorradfahrten und die zum Teil sehr innovativen Schusswechsel. Der Gewaltgrad ist erheblich, auch für einen HK-Actioner dieser Zeit. Die rockige Musik passt sich nahtlos in die ungestüme und heftige Handlung des Films perfekt ein. Glücklicherweise bleiben krasses Overacting und Klamauk - wie in asiatischen Filmen des Öfteren sonst anzutreffen - weitesgehend aus.

Ein Film wie ein Schlag in die Magengrube - verdammt cool. 8/10

Friedhof der Kuscheltiere


"Friedhof der Kuscheltiere" ist ein unbequemer, heftiger und recht spannender Schocker nach der berühmten Roman-Vorlage von Stephen King. Aufgrund der ordentlichen und einigermaßen buchgetreuen Inszenierung mit Sicherheit eine der besten King-Verfilmungen und zudem ein Horrorfilm der fast schon subtilen Art, wie sie heute kaum noch gemacht werden. Solide 7/10
"The soil in a man's heart is stonier..."

Dienstag, November 14, 2006

X-Men: Der letzte Widerstand


Da wäre durchaus mehr drin gewesen... vielleicht hat sich das Mutanten-Thema im dritten Anlauf aber auch einfach nur totgelaufen. Eigentlich bietet der Rahmen ein enormes Potential und gewisse neue Ansätze wie z.B. der subjektiv empfundene gestiegene Härtegrad und die zum Teil düsterere Atmosphäre sind in "X-Men: Der letzte Widerstand" durchaus zu begrüßen.

Zum ganz Großen fehlt es dann leider dennoch. Die Ambivalenz von extrem guten und dann wieder enttäuschenden SFX macht den 3. Teil der X-Men-Saga zu einem Erlebnis der durchwachsenen Art. Störend erweist sich auch der inflationäre Ausfall einiger Hauptcharaktere, die beinahe nebensächlich und zum Teil völlig belanglos das Zeitliche segnen, als wollte man sich ihrer möglichst schnell und unauffällig entledigen. Zudem weisen die anzutreffenden Dialoge ein unspezfisches Niveau irgendwo zwischen "total dämlich" und "pseudo-intellektuell" auf. Offenbar wurden alle Ressourcen für die SFX-Entwicklung benötigt.

Es kracht ja ganz ordentlich und i.d.R. auch sehr gut - wirklich überzeugen kann das ganze aber leider trotzdem nicht... zu holprig wirkt die ganze Story, die gerne mehr darstellen würde, als sie am Ende des Tages dann zu bieten hat... zu überladen ist das Ganze mit zig Charkateren, denen nicht annähernd der Freiraum geboten wird, um auch nur einen Einzelnen über das Rohstadium hinaus entwickeln zu können.

Nun gut, wir wollen die Kirche im Dorf lassen - es hätte auch schlimmer kommen können... 6/10

Montag, November 13, 2006

Walk the Line

Walk the Line: Joaquin Phoenix kann in seiner Paraderolle als Johnny Cash endlich sein ganzes schauspielerisches Talent offenbaren - war er doch durch Rollen wie zuletzt in "The Village" oder "Im Feuer" arg unterfordert. Hier kann er nun wieder alles geben - wie zu besten "Gladiator"-Zeiten.

Die Songs sind klasse und zudem alle höchstpersönlich von Mr. Phoenix "himself" gesungen. Und auch Reese Witherspoon zeigt, dass sie als Schaupspielerin und sogar gesangs-technisch einiges auf dem Kasten hat.
Klasse Atmosphäre und wunderbare Bilder - im O-Ton zudem noch mal doppelt so gut... 9/10

Donnerstag, November 09, 2006

Slither

Synopsis: Das verschlafene Städtchen Wheelsy ist fast wie jede andere Kleinstadt in Amerika: malerisch und vornehm mit netten Einwohnern, die sich um ihre eigenen Dinge kümmern. Doch im Verborgenen ist etwas namenloses und Böses angekommen und wird immer mächtiger. Niemand scheint zu bemerken, dass an den Telefonmästen immer mehr Flyer für vermisste Tiere hängen, oder dass der stadtbekannte, reiche Grant (Michael Rooker) beginnt, sich seltsam zu benehmen. Als dann aber plötzlich das Vieh furchtbar mutiert und eine junge Frau verschwindet, beginnt Sheriff Bill Pardy (Nathan Fillion) mit seinem Team zu ermitteln. Mit Hilfe von Grants Frau Starla (Elizabeth Banks) entdecken sie eine dunkle Kraft, die ihr Städtchen langsam übernimmt und stoßen auf einen uralten Organismus, der das ganze Leben auf der Erde absorbieren und verschlingen will...
Quelle: OFDB

Amüsant und stellenweise spratzelt es auch recht ordentlich. "Slithers" ist ein kurzweiliger no-brainer mit coolen One-linern und einer gehörigen Dosis Humor. Deftiges, und dennoch irgendwie harmloses Entspannungsprogramm. 7/10

Stills und Review auf Filmstarts.de

Erste Screens der UK "Blade Runner" DVD









Im Gemeinschaftsforum hat Dexter freundlicherweise schon die ersten Screens der UK-DVD des Blade Runner Director's Cut gepostet.

Am 24. November 2006 erscheint dann die deutsche RC2-Scheibe im schicken Metalpak.

Im November 2007 kommt dann die selig machende RC1-Box mit den folgenden Fassungen:

  • "Blade Runner: The Final Cut" - von Ridley Scott neu geschnitten, Anfang 2007 in den US-Kinos
  • "Original U.S. Theatrical Cut" - Kinofassung mit Off-Kommentar und mit der Autofahrt am Ende.
  • "Expanded International Theatrical Cut" - Fast gleich zur US Kinofassung, also Off-Kommentar und der Autofahrt am Ende, aber mit ein paar zusätzlichen Gewaltszenen die für's R-Rating raus mussten.
  • "1992 Director’s Cut" - Die Fassung die es schon auf DVD gab und jetzt nochmal neu auf DVD erscheint, ohne Off-Kommentar, mit dem Einhorntraum und mit dem schließenden Aufzugtüren Ende und ohne den Gewaltszenen aus der Internationalen Kinofassung.

Fast alle Infos von Dexter, besten Dank!

Dienstag, November 07, 2006

Borat: Cultural Learnings Of America For Make Benefit Glorious Nation Of Kazakhstan

Man liebt ihn, oder man hasst ihn... dazwischen kann es nicht viel geben. Interessanterweise feiern ihn gerade die Wächter des guten Geschmacks, die Filmkritiker, mehr ab, als dass geneigte "gewöhnliche" Publikum.

Auf irgendeine perfide Art und Weise funktioniert "Borat" bei mir. Der Film bricht Tabus am laufenden Meter, ist dabei konsequent rassistisch, antiamerikanisch, antisemitisch, geschmacklos... und dabei einfach nur saukomisch.

Wie das geht? Keine Ahnung... außer vielleicht Sacha Baron Cohen's exzellente schauspielerische Leistung, die so dermaßen authentisch rüberkommt, dass man im Nu vergisst, "Ali G" mit Schnurrbart und krausen Haaren vor sich zu haben. Zudem leistet der halb-dokumentarische Stil seinen Beitrag zum munteren Treiben und so mancher - in der Regel völlig absurder - Situation sieht man ihren Improvisationscharakter an... und dass sei hier durchaus im positiven Sinne vermerkt.

In der Tat ist - wie bereits in zahlreichen Rezensionen bemängelt - die Anfangssequenz in Borat's Heimatdorf in Kasachstan die stärkste Sequenz des Films, dennoch folgen im Verlauf zahlreiche andere (wenngleich moralisch fragwürdige) Höhepunkte, die in der Regel auf Kosten des amerikanischen Volkes oder diversen Gruppierungen respektive Minderheiten erfolgen. Dabei kommt keiner zu kurz, seien es Feministinnen, Juden, Sinti & Roma, Schwule, Texaner, volltrunkene Studenten, Farbige, Christen, Prostituierte, ...

Das Kino war zum Bersten voll, und der Pöbel hat gelacht - und mittendrin... ich. Zumindest haben wir die Filmkritiker auf unserer Seite, um das eigene Gewissen zu beruhigen. Knallharte 8/10

Montag, November 06, 2006

Brokeback Mountain

Ang Lee's wunderbarer Film über zwei schwule Cowboys bedarf keiner umschweifenden Erklärungen, da er spätestens seit der letzten Oscar-Verleihung so ziemlich jedem cineastisch angehauchtem Fan eine ungefähre Einordnung ermöglichen sollte.

Der Film besticht insbesondere durch die außergewöhnlichen Leistungen von Heath Ledger und Jake Gyllenhaal... und zwar in dieser Reihenfolge. Was Ledger da vom Leder zieht ist wirklich ganz großes Kino und hätte man ihm nach seinen bisherigen Rollen kaum zugetraut. Aber auch Jake "Donnie Darko" Gyllenhaal macht seine Sache wirklich bemerkenswert - authentisch und völlig klischeefrei agieren beide auf sehr hohem schauspielerischem Niveau, wenngleich die Originalversion dank standesgemäßen Extrem-Nuschelns beider Protagonisten dem geneigten Englisch-Fan einiges abverlangt.

Die wunderbaren Bilder und Landschaften, die tolle Musik und die ruhige Inszenierung mit dem leicht offenen Ende machen diesen Film schließlich zu einem Erlebnis der besonderen Art. Ein winziger Hänger im Mittelteil von "Brokeback Mountain", wenn Ang Lee es dann etwas sehr gemächlich angehen lässt, führt zu einem kleinen Punktabzug.

FAZIT: Filmkunst auf Champions League Niveau. 9/10

Freitag, November 03, 2006

The Wind that Shakes the Barley



Gestern völlig unerwartet noch Freikarten für den Eröffnungsfilm des Zweiten Internationalen Filmfestivals Frankfurt (Cinestar Metropolis) geschenkt bekommen: „The Wind That Shakes the Barley", Gewinner des Goldenen Palme in Cannes.

Synopsis: The Wind That Shakes the Barley" erzählt die Geschichte des jungen Damien, dessen Mediziner-Laufbahn sich in letzter Sekunde in das hitzig-ungestüme Leben eines Revolutionärs verwandelt. Er schließt sich den Verbündeten seines Bruders Teddy an, die nach dem irischen Oster-Aufstand 1916 und der global ignorierten irischen Unabhängigkeit gegen die übermächtige britische Krone ins Feld ziehen. Bewaffnet und doch wehrlos, zahlreich und doch zu wenige, leidenschaftlich und doch verwundbar bündeln sie ihre Kräfte und treiben ihre einzige Chance, den Guerilla-Krieg gegen die Weltmacht, bis ins Inferno. Doch die Waffen, die gestern noch ihr Ziel trafen, sind am nächsten Tag schon verbraucht. Der zweifelhafte Friedensvertrag mit den Briten zerbricht nicht nur die Widerstandsbewegung, sondern sprengt auch die Brüder Damien und Teddy auseinander. Viel zu spät verstehen sie, dass der Gegner längst erkannt hat, wie er sich die individuellen Interessen der Aufständischen zu nutzemachen kann. Die radikale Konfrontation hat sich in innere und äußere Zerrissenheit aufgelöst – Damien und Teddy stehen sich im nun folgenden Bürgerkrieg als Todfeinde gegenüber und nur die Liebe zu Sinead scheint für Damien nichts an Reinheit eingebüßt zu haben…
Quelle: www.ifff.de

Authentisch inszeniert und fernab jeglicher Hollywood-Unterhaltung. Schwere Kost mit einigen abstoßenden Szenen, die einem durch Mark und Bein gehen. Sensationelle Schaupieler, tolle Landschaften, Geheimtipp! 8/10

Infos zum Film:
Regie: Ken Loach
Drehbuch: Paul Laverty
Land: UK/Irland/Italien/Deutschland/Spanien
Jahr: 2006
Dauer: 127 Minuten
Format 35mm, Farbe
Produktion SIXTEEN FILMS, London
www.sixteenfilms.co.uk
Darsteller: Cillian Murphy, Pádraic Delaney, Liam Cunningham, Orla Fitzgerald

Review auf Filmstarts.de

Infos zum Festival: www.ifff.de
Zweites Internationales Filmfestival Frankfurt, 2.11. - 12.11.06
5 Kinos, 11 Tage, 120 Filme aus 30 Ländern

Donnerstag, November 02, 2006

Flug 93

Paul Greengrass (Die Bourne Verschwörung) wagt sich mit "Flug 93" an das Thema "11. September" und widmet sich hierbei genau jenem Flugzeug, dass im Gegensatz zu den drei anderen Maschinen an diesem Tag sein Ziel verfehlt hat.

Der Film ist halbdokumentarisch und reißerisch in Echtzeit gedreht und lässt den Zuschauer mit offenem Mund im heimischen Sessel versinken. Die Bilder der Einschläge in das World Trade Center werden beim ersten Einschlag nur angedeutet, beim zweiten erfolgt dann die Holzhammermethode mittels Originalfilmmaterial.

Subitler ist dafür der kurze Blick auf die noch intakten Türme aus einem Flugzeugbullauge zu einem früheren Zeitpunkt im Film - winzig klein werden hier für einen kurzen Moment die Spitzen der Türme angedeutet. Eine optische Meisterleistung, die dem Gedenken von "911" noch am ehesten gerecht wird.

Das Geschehen an Bord von "United 93" ist nachvollziehbar und realistisch inszeniert, inwiefern die Rollenverteilungen und Vorurteile hinsichtlich Besatzung und Terroristen allerdings werturteilsfrei widergegeben werden fällt mir sehr schwer einzuschätzen.

Die Kameraarbeit ist meisterlich, die schauspielerischen Leistungen der gänzlich ubekannten Darsteller ohne Fehl und Tadel, die Musik stimmig und bedrohlich inszeniert, ohne in hollywoodtypische oder glorifizierende Extreme zu verfallen.

FAZIT: Ein guter Film (vermutlich um Welten besser als der Oliver Stone-Murks), bei dem man sich dennoch ständig fragt, ob eine Verfilmung zu diesem Zeitpunkt notwendig war, und ob diese dem Andenken des 11. September tatsächlich gerecht wird. Entsprechend werde ich mir ausnahmsweise eine Bewertung auf der bekannten 10er-Skala verkneifen.

Deutschland. Ein Sommermärchen

Sönke Wortmann's Dokumentation über die dt. Fußballnationalmannschaft ist ein kurzweiliger und äußerst interessanter Blick hinter die Kulissen der Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland. Die Aufnahmen von "Deutschland. Ein Sommermärchen" beeindrucken vor allem durch ihre Authenzität und gewähren einen ungeschönten, direkten Blick auf "unsere Jungs", sei es in der Mannschaftskabine, im Bus, oder im Trainingslager. Einzig die Musik während der Fußballszenen ist etwas eintönig und zu deutlich vom "American Beauty" Soundtrack abgekupfert - etwas mehr Abwechslung wäre hier wünschenswert gewesen.

Insgesamt ein schönes, kleines Filmchen, dass dank Handkamera für das perfekte "Mittendrin"-Gefühl sorgt, dafür aber entsprechend beschränkt in seinen Mitteln ist. Eine etwas aufwändigere Produktion mit einem umfangreicheren Blick auf die WM 2006 wäre sicherlich schön gewesen, aber auch so kann das Ergebnis durchaus gefallen.

Eine schöne Erinnerung an diesen unvergesslichen Sommer 2006... 8/10